Jetzt erst Knecht: Resignieren Sie!

Jetzt erst Knecht: Resignieren Sie!
Es kam ein Mail aus Peking. Von Leser Helmut S., der dort auf einen Anschlussflug nach Indien wartete.
Doris Knecht

Doris Knecht

Helmut S. ist im mittleren Management eines heimischen Konzerns tätig und hatte während seiner Dienstreise im Flugzeug meine Kolumne mit dem mütterlichen schlechten Gewissen gelesen. Das habe ihn als alleinerziehender Vater von drei Kindern berührt. (Also eigentlich hat er sechs, aber nach der Scheidung teilte der Richter ihm drei und seiner Frau drei zu.) Wochenends habe er meistens ungefähr fünf bei sich, plus deren Freunde, die immer gerne kämen, "weil bei mir is eh scho wurscht".

Herr S. kennt das mit dem schlechten Gewissen. Er habe, schrieb er, jetzt, während er am Pekinger Flughafen saß, gerade eben ein sehr vorwurfsvolles SMS von seiner 15-jährigen Tochter erhalten: Weil er vor der Abreise am Sonntag nicht daran gedacht hatte, dass der Rückspiegel ihres Mofas sich am Dienstag lockern würde, und ihn deshalb auch nicht vorsorglich festgeschraubt hatte. " Kana is daheim, der si drum kümmert und mi aufweckt oda iwo", habe die Tochter gesimst: "iwo", das sei die innerfamiliäre Abkürzung für "irgendwas für mich tut", erläuterte Herr S. Und empfahl, schlechtes Gewissen einfach in Resignation umzuwandeln, so werde man es am besten los. Man müsse halt irgendwann einsehen, dass man nicht in allen Disziplinen gleich gut sein könne. Vor allem, wenn man Fulltimejob und Kinder unter einen Hut zu bringen habe und sich nicht für das eine oder das andere entscheiden könne oder wolle. Obwohl das, was er noch über sein Leben mit seine Kinder schreibt, eigentlich gar nicht resigniert klingt, sondern: beneidenswert gelassen und heiter, und sehr liebevoll. Ein schönes Mail, vielen Dank.

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