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Jhamir Ticona macht einen Freiwilligendienst im Café Exodus in Saarbrücken:Ein Bolivianer in Saarbrücken

Jhamir Ticona aus Bolivien macht seit Januar einen Freiwilligendienst im Café Exodus in Saarbrücken.
Jhamir Ticona vor dem Café Exodus in Saarbrücken.
Datum:
13. Dez. 2018
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier/Saarbrücken – Mehr als 10.000 Kilometer liegen zwischen der bolivianischen Stadt La Paz und Saarbrücken. Der 27-jährige Jhamir Ticona aus Bolivien hat diesen Weg auf sich genommen, um für ein Jahr einen Freiwilligendienst in Deutschland über den Verein Soziale Friedensdienste im Ausland (SoFiA) e.V. des Bistums Trier zu machen. Seit Januar ist er hier und arbeitet im Café Exodus in Saarbrücken.

„Ich habe in Bolivien schon mit Jugendlichen in meiner Pfarrei gearbeitet“, erzählt der junge Bolivianer. Jhamir ist eigentlich Marketingberater. In Bolivien hat er Marketing studiert, Theologie sowie Soziale Kommunikation. Sein Kommunikationsstudium hat er für seinen Freiwilligendienst unterbrochen. Nach dem Studium würde er am Liebsten alle seine Interessen verbinden und für die Kirche im Bereich Soziale Kommunikation oder Marketing arbeiten. „Am Besten auch noch mit Jugendlichen“, sagt er. Auf die Idee einen Freiwilligendienst in Deutschland zu machen kam eine gute Freundin von ihm, berichtet er. „Ich hatte überhaupt keine Vorstellung. Sie hat zu mir gesagt ‚WIR sollten uns dort bewerben‘.“ Leider bekam nur er eine Zusage. Seine Freundin wurde nicht genommen. „Das ist sehr traurig“, gesteht er. „Aber ich bin jetzt hier und sie freut sich für mich.“

„Ich wusste, dass Deutschland und Europa eine ganz andere Welt als Bolivien ist“, fasst er seine Vorstellung, was ihn erwarten würde, zusammen. „Ich hatte keine Ahnung, wie das Leben hier ist. Ich kannte Deutschland nur aus Filmen oder Erzählungen von anderen und dachte, Deutschland ist ein starkes Land, es gibt hier keine Armut, aber die Leute sind alle sehr kühl.“ Seine erste Zeit in Deutschland hat er in Trier bei einer Gastfamilie verbracht. Seine Vorstellungen, die er von dem Land und den Menschen hier hatte, haben sich sehr schnell verflüchtigt. „Es war toll! Meine Gastfamilie hat mich herzlich empfangen und wir waren spazieren. Sie haben kein Spanisch gesprochen und ich nur ganz wenig Deutsch. Trotzdem haben wir uns verstanden.“ Die Sprache beherrscht er mittlerweile sehr gut; doch die ersten Monate im Café Exodus waren schwierig für ihn. „Die Arbeit hier ist vor allem soziale Arbeit, sich mit den Jugendlichen, die hierher kommen zu unterhalten. Wenn sie Probleme haben, oder verliebt sind. Meine Aufgabe ist dann vor allem, mit ihnen zu reden.“ Gerade das war am Anfang nicht leicht für ihn. Doch die Arbeit bereitet ihm große Freude. Er kann auch sein Studium einbringen: Er hilft, Plakate zu gestalten und ist im Arbeitskreis „Film“ des Café Exodus aktiv. „Ich wusste nicht genau, was mich hier erwarten würde“, erzählt Jhamir. „Ich wollte vor allem alles kennen lernen: die Sprache, die Kultur und mich hier integrieren. Ich fühle mich sehr wohl hier und habe das Gefühl, dass die Jugendlichen mich akzeptieren. Deshalb kann ich sagen, dass ich mein Ziel erreicht habe.“

Im Januar ist sein Freiwilligendienst zu Ende. Dann fliegt er zurück in seine Heimat. Ob er lieber in Deutschland bleiben wolle? Nein. Jhamir will sein Studium zu beenden, sagt er. Vielleicht kommt er aber wieder, um einen Master hier zu machen. Solange genießt er noch die Zeit hier und sein erstes Weihnachten in Deutschland, das er mit seiner Gastfamilie und Freunden verbringen wird.

Dominik Holl