Allrad-Muldenkipper

Der Steinbruch-Allrounder

Bell 4x4 Muldenkipper
Die neue Generation des 4x4-Zweiachsers mit 41 t Nutzlast hat Bell Equipment speziell für kleine und mittlere Gewinnungsbetriebe konzipiert. (Bilder: Kiesel)

Mit einer Roadshow begleitet der internationale Bell-Vertriebspartner Kiesel die Markteinführung des grundlegend überarbeiteten Bell B45E 4×4. Mit neuem Fahrwerk und spezifisch angepasster Gesteinsmulde entspricht der 41-Tonner noch besser den Anforderungen kleinerer und mittlerer Gewinnungsbetriebe.

Drei knickgelenkte Allrad-Zweiachser mit Nutzlasten von 28 bis 55 t bietet Bell Equipment jetzt insgesamt. Den neuen Bell B45E 4×4 sieht Uwe Herber, Kiesel-Branchenleiter Gewinnung, als Alternative zu konventionellen Starrahmen-Kippern und großen knickgelenkten 6×6-Erdbaumulden positioniert. Die hochrobuste Transport-Lösung schließe Lücken im stark ausgedünnten Segment der 40- bis 50-t-Skw. Dabei ermögliche sein Allrad-Antrieb eine deutlich höhere Auslastung gegenüber klassischen 4×2-Starrkippern, sei es bei schwierigen Witterungsbedingungen im Ganzjahres-Abbau oder in steilem oder unwegsamem Terrain: „Die konsequente Ausrichtung des neuen Modells auf den Hartstein-Einsatz beeindruckt aber auch viele 6×6-Nutzer, die im Betrieb von Großdumpern oft genug Zugeständnisse in Sachen Wendigkeit, Taktung der Ladespiele oder Verschleiß machen müssen.“

Grundsätzlich bestätigten sich diese Erwartungen bei zahlreichen Praxistests im In- und Ausland, die Kiesel bei Endkunden durchführte. „Diese Tests fielen bei dem völlig neuen Maschinen-Konzept sehr intensiv aus, was den Vergleich mit vorhandenen Transportgeräten, aber auch die Einbindung des Allrad-Zweiachsers in bestehende Ladeflotten oder Betriebsorganisationen anbelangt.“ Neben ersten erfolgreichen Platzierungen des Nischenmodells sammelte Kiesel so vor allem Kundenfeedback, das unmittelbar in die im Zuge der EU-V-Umstellung weiterentwickelte zweite Generation der 4×4-Mittelklasse von Bell Equipment floss.

Wohl überlegt: Die längere Muldenoberkante erleichtert das Laden mit der 5-m³-Schaufel.

Die Veränderungen betreffen dabei insbesondere den für alle Bell-Zweiachser typischen kurzen Hinterwagen des B45E 4×4. Trotz einer neuen Achsaufhängung und des stark angepassten Mulden-Designs blieben Rahmenlänge und Radstand nahezu identisch, was die besondere Wendigkeit des Zweiachs-Knicklenkers gewährleistet (maximaler Wendekreis 17,31 m). Wie beim Sechzigtonner B60E übernehmen jetzt zwei Öl-/Stickstoff-Stoßdämpfer die Federung der zwillingsbereiften Antriebsachse vom deutschen Hersteller Kessler. In Verbindung mit der serienmäßigen adaptiven Comfort-Ride-Frontfederung sorgt das für mehr Fahrkomfort, insbesondere aber für noch bessere Traktion und Bremseigenschaften des beladen rund 78 t schweren Zweiachsers (Leergewicht 37.157 kg). Die Hinterachse bietet neben einem Anti-Schlupf-Differenzial jetzt auch eine sensor-gestützte automatische Traktionskontrolle. Anlenkung und Federwege der neuen Aufhängung wurden so dimensioniert, dass eine Ausrüstung der 21.00-R35-Zwillingsbereifung mit Schneeketten möglich ist.

Komplett neu gezeichnet wurde die Skw-typische Gesteinsmulde mit flachem Boden: Ursprünglich ans Design des B60E angelehnt, der meist von schweren Gewinnungsbaggern beladen wird, erschwerte die Mulde zuvor das in kleineren bis mittleren Steinbrüchen oft übliche Laden mit Radladern. Die Mulde wurde verlängert und bekam eine gerade Stirnwand, was dank längerer Muldenoberkante und besserem Füllverhalten jetzt auch die schnelle Beladung mit 3,5- bis 6-m³-Felsschaufeln ermöglicht. Dabei blieben sowohl die maximale Kipphöhe (6.485 mm bei 55°), als auch die große Bodenfreiheit der Schurre (890 mm) nahezu unverändert. So lässt sich der knickgelenkte 41-t-Zweiachser deutlich besser in bestehende Infrastrukturen (z. B. Brecher-Einhausungen) einpassen als vergleichbare 6×6-Knicklenker mit langer Erdbau-Mulde, bietet jedoch deren Vorteile gegenüber konventionellen Starrkippern mit tiefer Schurre beim schnellen Entladen in jedem Terrain. Die abgasbeheizte 25-m³-Mulde mit 4.265 mm Standardbreite (mit Heckklappe: 26 m³ / 4.639 mm) markiert gleichzeitig die Fahrzeugbreite – eine in Kürze erhältliche schmälere Narrow-Mulde gleichen Volumens bringt den B45E 4×4 optional auf unter 4 m Gesamtbreite.

Bell B45E 4x4
Dank serienmäßiger Muldenheizung und hoher Schüttkante kippt der Bell B45E 4×4 auf Halde sicher ab.

Bei Antrieb, Kraftübertragung und intelligenter Fahrzeugsteuerung profitieren Betreiber von der ständig weiterentwickelten 6×6-Knicklenker-Großserie. So besitzt der B45E 4×4 den nahezu identischen Vorderwagen des 6×6-Schwestermodells B45E. Unter der Haube arbeitet der 390 kW starke Reihensechszylinder OM471LA von Mercedes-Benz in MTU-Offroadversion. Die Abgasreinigung nach EU-Stufe V übernimmt ein wartungsarmes System aus kontrollierter Abgasrückführung, SCR-Technologie und Dieselpartikelfilter. Gemeinsam mit der selbstlernenden Allison-Siebengang-Automatik 4700 ORS gewährleistet der drehmoment-optimierte Motor (2460 NM bei 1300 U/min) eine hohe Kraftstoff-Effizienz mit niedrigen Verbrauchswerten. Wie bei den übrigen aktuellen Bell-Großdumpern übernehmen Ölbadlamellen-Bremsen an beiden Achsen die Verzögerung – in Kombination mit der Jacobs-Motorbremse auch als mehrstufig programmierbare, vollautomatische Dauerbremse.

Der Arbeitsplatz in der großräumigen Standardkabine des B45E 4×4 bietet gute Übersicht, hohen Komfort und ein vollständiges Serienpaket an fahrerbezogenen Assistenzsystemen. Dazu zählen beispielsweise Berganfahrhilfen bzw. Rückroll-Sperren sowie Lade- und Kipp-Routinen. Alle elektronischen Helfer und Status-Anzeigen basieren auf Echtzeit-Messdaten der vernetzten Fahrzeug-Sensorik (On-Board-Waage, Neigungs- und Rollsensoren etc.), die über praxisgerechte Auswertungen der satellitengestützte Bell-Maschinenüberwachung auch zur Leistungsdokumentation bzw. Wartungsoptimierung abgerufen werden können. „In seiner überarbeiteten Auslegung ist der Bell B45E 4×4 für unsere europäischen Märkte die ideale Ergänzung im Zweiachser-Angebot von Bell Equipment,“ betont Walter Michels, Kiesel-Produktmanager für knickgelenkte Muldenkipper. „Er ist beim Laden und am Vorbrecher ungleich wendiger und harmoniert dank der Gesteinsmulde meist besser mit den gewinnungs-spezifischen Ladegeräten.“ Und auf Umläufen punkte er systembedingt mit deutlich weniger Beanspruchung von Fahrstrecken und Reifen.