Dieselameise

Dieselameise – was steckt drunter?

Im Museum für Stadt und Technik unserer Heimatstadt Ludwigsfelde (MuST) steht eine Diesel-Ameise aus den 50-er Jahren, die u.a. auch in Ludwigsfelde gebaut wurde. Das Fahrzeug hat eine sogenannte Trittplatten-Lenkung. Das muss ein interessantes Fahrgefühl sein. Aber wie funktioniert diese Lenkung eigentlich?

Der Vater der Diesel-Ameise ist die von großen Bahnhöfen bekannte Eidechse, ein Elektrokarren. Als es aber in den Nachkriegsjahren nicht genug Akkus gab, wurde beim ersten Hersteller in Brand-Erbisdorf kurzerhand ein verfügbarer Klein-Dieselmotor verwendet. Diese Fahrzeuge waren dann vor allem im innerbetrieblichen Transport lange Zeit sehr verbreitet.

Das wollten wir uns mal genauer ansehen und haben uns das Teil in unsere Werkstatt geholt.

Dazu musste es natürlich erst mal auf den Trailer. Das Ding wiegt immerhin gut eine Tonne, und so erforderte die Kurbel der Seilwinde den ganzen Mann!

Nein, bitte kein „Gender“-Storm, es waren (natürlich rein zufällig) nur Männer am Werk.

Und so sieht das im Detail aus: Der Fahrer steht im Führerstand auf der Trittplatte und lenkt, indem er die Platte durch Gewichtsverlagerung um ihre Längsachse dreht. Zum Anlehnen hat er einen bequemen, rückenschonenden Vollkomfort-Gurt (ganz oben!).Was man sonst noch so braucht (Kupplung, Schaltung, Gas, Bremse), wird mit der Hand bedient.

Zum Rückwärtsfahren dreht sich der Fahrer einfach um.

Hinter dem Fahrer ist dann der durchzugsstarke Dieselmotor eingebaut: Mit immerhin 6 PS - ein Traum für alle SUV-Fans – läßt er das Fahrzeug bis zu 15 km/h schnell werden.

Hier die Ansicht von der linken Seite bei geöffneter Motorhaube.

Nun, wie sagte doch gleich der Dichter:

„… doch wie´s da drunter aussieht, geht niemanden ´was an.“

Doch, uns schon!

Also ab auf die Hebebühne, um das letzte Geheimnis zu lüften.

„Ahh – Ja!“ - würde Loriot sagen,
                      „das ist – äh – sehr übersichtlich.“

Die Trittplatte ist an dem Rohr „R“ befestigt, das als Lenkwelle von vorn durch den Motorraum bis hinter die Vorderachse verläuft. Hier ist dann der Lenkhebel „H“ in Form einer kleinen Stahlplatte angeschweißt.

Unten ist noch die rechte Spurstange „Sp“ zu erkennen.

Der Blick von hinten zeigt dann die hintere Lagerung der Lenkwelle „R“, den Lenkhebel „H“ und die Befestigung der Spurstangen „Sp“ unten am Lenkhebel. Mit der Trittplatte wird die Lenkwelle gedreht, dadurch schwenkt der Lenkhebel aus, bewegt die Spurstangen, und der Rest funktioniert  dann wie bei jedem Auto.

Fertig ist die Lenkung!

War noch was? – Ach so, Frau Ameise muß ja zurück ins Museum.

Also wieder dieser elend lange Höllenritt mit der Kurbel?

Nein, das geht doch auch anders. Eine Abschleppstange kann schließlich auch zum Schieben verwendet werden.

Natürlich vorsichtig, damit sie nicht abknickt. - Geschafft!

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