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Kennungsbild für die Veranstaltungsreihe
Nürnberger Gespräche

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutieren in der Reihe „Nürnberger Gespräche“ aktuelle und drängende Probleme des Arbeitsmarktes. Die Veranstaltung findet zweimal jährlich im Historischen Rathaussaal der Stadt Nürnberg statt und steht allen Interessierten offen.

Comeback der Industriepolitik – (wie) lässt sich eine Deindustrialisierung verhindern?

Nürnberger Gespräche

Deutschlands industrielle Basis galt jahrzehntelang als Wohlstandsgarant und verhalf dem Land zu dauerhaft hohen Exportüberschüssen und zahlreichen gut bezahlten Industriearbeitsplätzen. Verglichen mit vielen anderen Ländern entfällt hierzulande noch immer ein überproportional großer Anteil der Wertschöpfung auf das Verarbeitende Gewerbe. Offen ist, ob dies auch in Zukunft in gleichem Maße der Fall sein wird.

Über Jahrzehnte hinweg profitierte die deutsche Industrie von billiger Energie aus Russland und vom stetig wachsenden Export von Kraftfahrzeugen und hochwertigen Industriegütern für den boomenden chinesischen Markt. Doch die Zeiten billiger Energie sind vorerst vorbei, und Chinas Wirtschaft kommt nur schwer aus der Talsohle. Zugleich muss sich Europa für geopolitische Krisen stärker wappnen und die starke Abhängigkeit von Importen bestimmter Rohstoffe und Produkte reduzieren, was vielfach zu höheren Kosten führt. Schlechte Nachrichten für die deutsche Industrie, die gerade erst begonnen hatte, sich von den Nachwehen der Corona-Krise in Gestalt teils dramatischer Lieferengpässe zu erholen. Auch die zunehmenden protektionistischen Tendenzen im Welthandel setzen der deutschen Industrie zu. Nicht zuletzt droht hier ein internationaler Subventionswettlauf. So hat US-Präsident Biden mit dem „Inflation Reduction Act“ das größte Klimaschutzprogramm der US-Geschichte auf den Weg gebracht. Zugleich machen die dortigen Energiekosten nur einen Bruchteil der deutschen aus. Mithin droht Deutschland ein Exodus energieintensiver Teile der Industrie. Überdies steht Deutschland vor der doppelten Herausforderung der digitalen und ökologischen Transformation. Auch da drohen Teile der hiesigen Industrie ins Hintertreffen zu geraten. Beispiel Elektroautos, wo Tesla, aber auch chinesische Hersteller der deutschen Autoindustrie wachsende Marktanteile abjagen. Deutschlands Industrie, so scheint es, verliert rapide an Wettbewerbsfähigkeit.

Angesichts dieser Gemengelage wird der Ruf nach dem Staat immer lauter. Ohne eine staatliche Industriepolitik, so das Argument, drohten ganze Wirtschaftszweige aus Deutschland zu verschwinden. Vor diesem Hintergrund wird in der Politik etwa die Einführung eines stark subventionierten „Industriestrompreises“ diskutiert, mit dem energieintensive Betriebe solange unterstützt werden sollen, bis flächendeckend günstiger Strom aus regenerativen Energiequellen zur Verfügung steht. Kritiker hingegen befürchten eine höchst kostspielige und wenig effektive Dauersubvention. Ähnlich umstritten ist, ob der Staat Steuermilliarden in die Hand nehmen soll, um internationale Konzerne dazu zu bewegen, Produktionsstätten in Deutschland zu errichten. So bezuschusst der deutsche Staat den Bau einer Chipfabrik bei Magdeburg mit 10 Milliarden Euro. Doch während die einen diese Summe als gute Zukunftsinvestition für den Standort Deutschland betrachten, sehen die anderen darin eine Verschwendung öffentlicher Gelder. Unterm Strich, so das IW Halle, kostet jeder dort neu geschaffene Arbeitsplatz den Bund eine Million Euro. So stellt sich die generelle Frage, welche industriepolitische Strategie sinnvoll ist, um langfristig Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.

Termin

7.11.2023

, 18:00 - 20:00 Uhr

Ort

Historischer Rathaussaal der Stadt Nürnberg,
Rathausplatz 2
90403 Nürnberg

Sie können die Veranstaltung auch via Livestream verfolgen. Den Link dazu finden Sie kurz vor der Veranstaltung auf dieser Seite. Alternativ können Sie auch direkt den Youtube-Kanal des IAB besuchen.

Programm

Begrüßung und Einführung

Marcus König (Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg)

Podiumsgespräch

Moderation

Alexander Hagelüken (Süddeutsche Zeitung)

Podiumsgäste

  • Gerd Hammerl (Stellvertretender Landesbezirksleiter, IGBCE Landesbezirk Bayern)
  • Prof. Bernd Fitzenberger (Direktor des IAB)
  • Barbara Fuchs (Wirtschaftspolitische Sprecherin und Mittelstandsbeauftragte BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag)
  • Elisabeth Gruber (Geschäftsführerin des Mittelständlers Gruber-Folien in Straubing)
  • Lars Kroemer (Abteilungsleiter Volkswirtschaft und Statistik des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall)

Nachgehakt – Fragen aus dem Publikum

Schlusswort

Prof. Dr. Ulrich Walwei (Vizedirektor des IAB)

Anmeldung

Neben der Teilnahme via Livestream ist auch eine Teilnahme vor Ort möglich.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Weitere Informationen

Wir begleiten die Veranstaltung auch auf unserem Twitter-Kanal. Das Hashtag dazu lautet: #NBGespräche.

Hinweis zum Datenschutz: Wir zeichnen die Veranstaltung zwecks Berichterstattung und Dokumentation auf. Das Video wird auf dem YouTube-Kanal des IAB zu sehen sein.

Nachlese

Das Video über die Nürnberger Gespräche am 7. November finden Sie auf dem YouTube-Kanal des IAB

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