Zur Vernissage in Sinzig referierten Stadtarchivar Wolfgang Dietz und Kurator Rudolf Menacher

Sehenswerte Jubiläumspräsentation

Die Original-Urkunde von 1267 ragt aus den Zeugnissen der 750-jährigen Stadtgeschichte heraus

22.05.2017 - 14:41

Sinzig. Kurz vor dem Höhepunkt der Festlichkeiten aus Anlass der Stadtwerdung Sinzigs vor 750 Jahren wählt das Heimatmuseum Schloss Sinzig den Moment passend, um einen wichtigen Akzent zu diesem Thema zu setzen.

Dabei kann es sogar mit einer kleinen Sensation aufwarten: Ein Objekt aktueller musealer Begierde hat es ins Sinziger Schloss geschafft: Zur Stadtwerdung Sinzigs präsentiert das Heimatmuseum die neue Ausstellung „Sinzig – Zeugnisse aus 750 Jahren Stadtgeschichte“ und mit ihr die Original-Urkunde von 1267, auf die sich das Stadtjubiläum beruft. In der Mittelalterforschung gilt sie mangels einer förmlichen Stadterhebung als Ersatzdokument für Sinzigs Stadtrechte.

„Wir sind stolz und dankbar für die Leihgabe des Landeshauptarchiv Koblenz“, sagte Museumsleiterin Agnes Menacher.


Urkunden im Kontext


Zur Vernissage beim „Turmgespräch im Schloss“ des Fördervereins Denkmalpflege und Heimatmuseum führten zwei Referenten sachkundig ins Thema ein.

Klar strukturiert erklärte Stadtarchivar Wolfgang Dietz den Aufbau von Urkunden. Die „rechtlich verbindlichen Schriftstücke“ sind in ihrem historischen Zusammenhang wahrzunehmen und zu deuten. Zwei der für Sinzig relevanten Rechtsdokumente stellte er vor und unternahm mit den Zuhörern jeweils eine kleine Zeitreise. Die erste führte ins Mittelalter, um die Urkunde von 1267 geschichtlich einzuordnen. Darin bekräftigte der Kölner Erzbischof Engelbert II. Rechte der Bürger, die sie vom Reich „seit alters her“ besaßen. Mit dem Ende der Stauferzeit 1250/51/54 war ein Machtvakuum entstanden und die Fürsten als Territorialherren strebten danach, ihren Einfluss zu mehren: „In dieser schweren Zeit suchte Sinzig Verbündete“. Die Siedlung hielt sich an die Herren von Hammerstein und Landskrone, denn noch lag sie „im schutzlos offenen Gelände“. Erst 1297 kam das Mauerrecht.


Fern der Lotterbuben


Der Wehrhaftigkeit halber trat Sinzig zudem 1255 dem Rheinischen Städtebund bei. „Nur eine Episode“ urteilte Dietz. 1267 nahm der Kölner Erzbischof Engelbert II Sinzig kampflos ein. Am 9. Oktober des Jahres beurkundete er die Rechte der Bürger der Stadt Sinzig. Eine Woche darauf nahm ihn Graf Wilhelm von Jülich auf der Burg Nideggen für dreieinhalb Jahre in Haft.

Dass Urkunden gesellschaftliche Zustände spiegeln, machte Dietz am „Lehrjungen- und Gesellenbuch der Sinziger Reichs-Hammer- und Bauzunft“ (1749-1792) anschaulich. Es schrieb nicht nur Ausbildungsstandards fest, sondern pochte auch bei Strafen auf die Einhaltung sittlichen Verhaltens einer hierarchisch und berufsständisch gegliederten Gesellschaft. So hatten die Lehrjungen den sonntäglichen und montäglichen Gottesdienst zu besuchen. Auch sollten sie nicht etwa „Lotterbuben, Klucker-Jungen“ und Liederlichen gesindels anhangen“.


Zwei Stadtbrände überstanden


Eine Herausforderung war es für den Kurator der Ausstellung, Rudolf Menacher, Urkunden, Bilder und Texte des Museumsbestands einzelnen Epochen der Stadtgeschichte so zuzuordnen, dass sie umfassend die Entwicklung ab dem Mittelalter bis heute dokumentieren. Denn vieles ist nicht mehr vorhanden, verbrannte oder wurde verramscht: „Wir halten fest, was aus der Zeit in Sinzig erhalten ist“. Dazu zählen etwa, wie er ausführte, die Kirche St. Peter aus dem 13. Jahrhundert, ihre ältesten Glocken, das prächtige Altarbild, gestiftet 1480, das kunstvolle in Beziehung zur Hammerzunft stehende Gitter, aber auch Abbildungen „der schönsten und ältesten Häuser“. Dazu zählt das im Jahr 1666 erbaute Haus in der Kirchgasse 7 als ältestes Sinziger Wohnhaus. Es überstand die beiden Stadtbrände von 1583 und 1758.

Gezeigt werden auch Regesten und Urkunden der Stadt Sinzig von 762 bis 1398, kopiert um 1860 von Stadtsekretär Josef Krumm und bezeichnet als „Chronik der Stadt Sinzig“. Desgleichen hat selbiger Stadtsekretär etwa 1862 eine Einleitung zur Chronik der Stadt Sinzig verfasst, die markante Ereignisse der mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadtgeschichte enthält und ab 1849 bis 1861 jährliche Eintragungen. Museumsleiterin Agnes Menacher dankte für diese Ausstellungsstücke Leihgaberin Adelheid Schröder. Ihr Dank galt ebenso für weitere Leihgaben Stephan Pauly, der mit Orgelpfeifen und verschiedenen Eintrittskarten fürs Sinziger Lichtspielhaus, das von 1928 bis 1984 existierte, zur Ausstellung beitrug und Karin Baum-Schellberg, die Exponate zum Thema Mineralwasser einbrachte.


Königskette der Schützen


Eine Vielzahl weiterer Schriftstücke, bildlicher Darstellungen und Objekte leuchtet die vergangenen Jahrhunderte aus: vom Uniformknopf bis zum Nagel aus dem Ausdorfer Tor, das die Franzosen, wie die anderen Stadttore, zerstörten sowie Belegen Sinziger Weinanbaus und den bereits erwähnten Kino-Karten.

Die Schilde der Königskette der Sinziger Schützenbruderschaft decken allein rund 750 Jahre mit ihren Schützenpersönlichkeiten ab. Es gibt in der beachtlichen nach Epochen gegliederte Präsentation unter anderem verschiedene interessante Zunftdokumente, neben den bekannten, etwa ein loses Blatt aus der Zunfttruhe, das notiert, „1680 hat die Pest regiert“. Das lässt darauf schließen, dass das so genannte Pestkreuz von 1688 tatsächlich auf die lokale Epidemie zurückkehrt, erklärte Menacher. Die Veranstalter freuten sich über die jungen Besucher am Eröffnungsabend. Denn Schüler des Rhein-Gymnasiums mit ihrer Geschichtslehrerin Ise Kösling, die selbst eine Ausstellung zum Jubiläum erarbeitet haben, kamen zur Vernissage. Die Ausstellung in der Barbarossastraße 35 ist bis Ende Dezember geöffnet: donnerstags 10 bis 12 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

HG

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